Über die Kindheit

Meine Gedanken zum Kindsein

Ein Kind soll Kind sein,

sonst nichts.


Kinder haben ein tiefes Bedürfnis nach Verbundenheit, welches sie in einer engen Beziehung mit ihren wichtigsten Bezugspersonen stillen können – meist sind dies die Eltern. In den ersten Lebensmonaten wird der Grundstein für eine sichere Bindung gelegt. Kinder, die diese Bindung aufbauen durften, nehmen ihre Bezugsperson als sichere Basis wahr, zu der sie immer wieder zurückkehren können, wenn sie Hilfe oder Trost brauchen. Dies ist auch bei der Eingewöhnung in der ersten „fremden Betreuung“ wichtig .

Ja, es kann sein, dass ein Kind bei den ersten Trennungsversuchen in der Minita weint, die Frage ist nur – lässt es sich in einem überschaubaren zeitlichen Rahmen durch mich trösten? Wenn ja ist das ein gutes Zeichen, dass ein Kind die emotionale Reife entwickelt hat, sich auch bei anderen Personen sicher zu fühlen. Mit zunehmendem Alter sind Kinder nicht mehr ständig auf die Anwesenheit der ersten Bezugspersonen angewiesen, um sich sicher zu fühlen. Langsam zeigen sich die für die Entwicklung ebenso wichtigen Bedürfnisse nach

Wachstum, Autonomie und Freiheit.

Lara

Durch meine langjährige Erfahrung in der Kita habe ich erlebt, wie Kinder eigenständig Erfahrungen sammeln wollen und auch können, wenn wir ihnen den Raum dafür lassen. In einer kleinen Gruppe mit konstanter Bezugsperson gelingt dies am besten. Für mich ist es besonders schön zu erleben, wie Kinder sich so ihre ganz eigenen Gedanken machen, wenn sie Zeit haben und versunken dasitzen, wenn sie immer wieder die gleiche Geschichte hören wollen und die gleiche Handlung ausführen. Kinder möchten selbst herausfinden, was ihre Wahrnehmungen und ihre Erlebnisse bedeuten, und wie diese mit dem zusammenpassen, was sie bereits wissen.

Es ist immer wieder wundersam, mit wie viel Geduld sie versuchen zu verstehen, was wir ihnen sagen, und wie sie dann auf verschiedenste Art und Weisen alles das ausdrücken können, was sie selbst bewegt, so, dass wir es verstehen. Und plötzlich sind da so viele Worte, die gesagt werden wollen und so viele Eiskugeln aus Sand, die Dir zeigen sollen: „Ich mag dich.“

Es braucht einen achtsamen Umgang, damit Kinder solche Erfahrungen in einer Gemeinschaft mit anderen machen können. Damit Kinder Vertrauen entwickeln können, müssen sie die Erfahrung machen: „Ich bin wichtig.“ Gerade die kleinsten Kinder suchen deshalb oft nach Bestätigung, dass es gut ist, was sie tun. Diese Bestätigung bekommen sie durch ein genaues Hinschauen, was jetzt gerade für Begeisterung sorgt und dann ein gezieltes Lob.
Doch es braucht nicht immer ein dickes extra Lob, auch das Eigenständige Bewältigen von ganz alltäglichen Dingen, löst im Gehirn die Begeisterung über sich selbst und über all das, was es noch zu entdecken gibt aus. Diese Begeisterung ist der „Treibstoff“ für die weitere Hirnentwicklung, sagt der bekannte Neurobiologe Gerald Hüther. Das selbst geschälte Ei und das genussvolle Hineinbeißen ist manchmal Lob und Belohnung genug. Es sind die vielfältigen Erfahrungen bei der Steuerung des eigenen Körpers, beim Krabbeln, Lautieren, Laufen, Sprechen und sich als aktiver Gestalter zu erleben, was Kinder brauchen.

„Wenn Kinder den Eindruck haben, dass wir uns einfach gemeinsam mit ihnen über ihre Leistungen freuen, ist das in Ordnung.

Falls sie jedoch den Eindruck haben, wir stülpen ihnen unsere Bewertungen über, so kann dies leicht ihr eigenes Gefühl dafür, wann und warum sie stolz auf sich sein können, verdrängen.

Vielleicht beurteilen sie dann bald den Wert dessen, was sie tun, danach, ob es bei uns Anerkennung findet.“


Alfie Kohn, Liebe und Eigenständigkeit